Leinenaussaat 2005 in Westeuropa abgeschlossen

Maßgeblich für die Leinenerträge eines Jahres ist was im selben Jahr auf den blau blühenden Feldern an Flachs geerntet werden kann. Wurden bis Ostern diesen Jahres mehr als 80% der westeuropäischen Flachsanbauflächen bestellt, so boten die erneut günstigen Wetterverhältnisse der Tage um den 9. April die gute Gelegenheit den überwiegenden Teil der verbliebenen schweren oder nördlich gelegenen Felder einzusäen.

Für Schleswig-Holstein stimmt somit die alte Bauernregel, dass der Flachs am 100. Tag des Jahres auszusäen ist, so dass man ihn (hoffentlich) am 200. Tag ernten kann. Einige wenige Prozent der Anbaufläche - vorwiegend sehr schwere Feld-Standorte - konnten allerdings erst gegen Ende April bestellt werden. Der Grund dafür waren die stellenweise zu kurzen Trockenphasen, welche einer ordnungsgemäßen Saat in einen hinreichend abgetrockneten Boden mitunter entgegen standen.

Im Umkehrschluss sind die Verhältnisse auf den Anbauflächen für Leinen überwiegend gut bis sehr. Die häufigen Niederschläge führten zu einer gleichmäßigen Keimung. Hinzu kamen recht hohe Temperaturen am Boden, welche die rasche frühe Entwicklung unterstützen. Derzeit wird bei einer Pflanzenlänge von 8-12 cm die Beikrautbekämpfung erledigt.

Die andere Seite der Medaille besteht in dem zunehmenden Risiko einer unkontrollierbaren Stickstoff-Freisetzung und in deren Folge einem zu raschen Längenwachstum. Damit verbunden ist ein erhöhtes Lagerrisiko, jedoch bis dies konkret wird, vergehen noch einige Wochen. Die diesjährige Aussaatfläche liegt etwa im Bereich des Vorjahres bei rund 100.000 Hektar.

Es darf damit weiterhin spekuliert werden, wie am Ende die Erträge sein werden. Die Aussichten stimmen aber optimistisch. Die Nachfrage nach Leinen dürfte durch "Geiz ist Geil"-Angebote wie zuletzt von C & A sicher im Moment gesichert sein. Ob die 15€ Hemden allerdings tatsächlich aus Flachsleinen hergestellt wurden, kann zumindest mit einem Fragezeichen versehen werden. Oft sind diese Billigangebote in Wirklichkeit aus Kenaf produziert.

Klaus-Martin Meyer
www.handy-tasche.net